
Säbener Stories
Mi | 26.08.2026 | 12:15
Der wilde Süden! Zehn legendäre Bayern-Spiele gegen den VfB Stuttgart
Säbener Stories – das ist die Kolumne für alle, die den FC Bayern München leben und lieben. Hier geht es um die ruhmreiche Vergangenheit und die spannende Gegenwart des Rekordmeisters.
Wenn am Freitagabend das Flutlicht in der Allianz Arena angeht, gibt’s zum Bundesliga-Auftakt gleich Fußball-Feinkost: Der VfB Stuttgart kommt! Kaum ein Duell im deutschen Fußball hat mehr Spektakel, Slapstick, große Tore und herrliche Kabinen-Geschichten produziert als der Südschlager.
Vom falschen Gerd über Jürgen Klinsmanns Kunstflug bis zu Hattrick-Harry: zehn epische Kapitel einer ziemlich wilden Nachbarschaft.
27. November 1965: Gerd trifft – aber der Falsche
Das erste Bundesliga-Südderby bringt eine Pointe, die man sich nicht schöner ausdenken könnte. Denn nicht Gerd Müller erzielt das historische erste Tor – sondern Stuttgarts Gerd Menne. Ins eigene Netz! Nach Bayern-Vorarbeit von Rainer Ohlhauser fabriziert der VfB-Verteidiger das entscheidende 0:1. Irgendein Gerd trifft halt immer.
Bayern ist gerade erst aufgestiegen, kommt aber schon als Tabellenzweiter ins Neckarstadion. Die jungen Wilden Maier, Beckenbauer und Müller sind die Sensation der Liga. Das Buch „Bayern-Chronik“ schwärmt vom „SC Freiburg der 60er Jahre“.

24. März 1973: Erst Geduld, dann der Original-Gerd
5:1 für Bayern im nagelneuen Münchner Olympiastadion – das klingt nach 90 Minuten Dauerprügel. War es aber nicht. Bis weit in die zweite Hälfte hinein hält Stuttgart dagegen, dann zieht Bayern den schwäbischen Stecker. Edgar Schneider, Franz Beckenbauer und Paul Breitner treffen, Gerd Müller legt zwei Tore nach.
Der „Bomber“ ist auf dem Gipfel seiner Kunst: Am Saisonende stehen 36 Bundesliga-Treffer und die nächste Torjägerkanone. Wiedersehen am Rande: Unser Dieter „Mucki“ Brenninger, einst Gerds Flankengeber beim FC Bayern, läuft inzwischen für Stuttgart auf. Alte Liebe, fünf Gegentore.

3. Mai 1986: Rolando Furioso in Berlin
Eine Woche zuvor verhilft Stuttgart den Bayern noch zur Meisterschaft, weil der VfB Werder schlägt. Klaus Augenthaler scherzt: „Jetzt schenken wir ihnen den Pokal.“ War aber nur Spaß! Beim brillanten 5:2 im Endspiel in Berlin dreht Roland Wohlfarth auf: drei Tore, dazu zweimal Michael Rummenigge. Wohlfarth wird zu „Rolando Furioso“.
Der sehr junge Jürgen Klinsmann (21) trifft für Stuttgart – und klagt hinterher auf der Bank: „Da darf ich einmal vor 76.000 kicken, und dann spiel’ ich so einen Scheiß!“ Für Sören Lerby ist es das letzte Bayern-Spiel vor seinem Wechsel nach Monaco. Und für den FC Bayern ist es unangenehmerweise der letzte Pokalsieg bis 1998.

14. November 1987: Klinsi fliegt zu den Sternen – mit der 3
Jürgen Klinsmann, mittlerweile 23, trägt ausgerechnet die Rückennummer 3 – und schießt eines seiner berühmtesten Tore. Sein spektakulärer Doppelvolley-Fallrückzieher zum 1:0 wird „Tor des Jahres“. Warum die 3? VfB-Trainer Arie Haan lässt Rückennummern nach astrologischen Überlegungen rotieren.
Die Sterne stehen offenbar günstig: Stuttgart gewinnt 3:0. Trotz der bitteren Bayern-Schlappe ist DFB-Teamchef Franz Beckenbauer auf der Tribüne schwer beeindruckt – und holt Klinsmann zur Nationalelf. Als Bayern-Verteidiger Norbert Nachtweih Rot droht, bittet Klinsi den Schiri um Gnade. Nachtweih verspricht ihm dafür Champagner: „Falls er weiß, was das überhaupt ist.“

13. Februar 1994: Kaiserlicher Fehlstart
Minus sieben Grad, Sonntagabend, Sat.1 live – und ganz Deutschland wartet auf Franz Beckenbauers Debüt als Bayern-Trainer und Nachfolger von Erich Ribbeck. VfB-Coach Jürgen Röber stichelt: „In der Zeitung steht, heute ist Franz-Tag. Vielleicht heißt es hinterher Walter-Tag oder Buck-Tag.“ Genauso kommt’s: Stuttgart gewinnt 3:1 – und natürlich treffen Fritz Walter (der Jüngere) und der schnelle Andreas Buck.
Für den VfB ist es der erste Sieg in München seit 1970. Aber Beckenbauer und Fehlstarts – das gehört zusammen. Schon sein Bundesliga-Debüt 1965 geht verloren, ausgerechnet gegen die Löwen. Und wie so oft folgt auf den schlechten Anfang ein großartiges Ende: Im Mai 1994 macht der Kaiser die Bayern zum Meister. Insofern war die Premieren-Niederlage fast schon ein gutes Omen.

21. April 2007: Die teuerste Bayern-Pleite
Cacau trifft zweimal binnen weniger Minuten, Stuttgart gewinnt 2:0 – und für Bayern bricht eine Welt zusammen. Der Titelverteidiger wird am Saisonende nur Vierter und verpasst die Champions League. Der VfB marschiert zur sensationellen Meisterschaft. Trainer Ottmar Hitzfeld zeigt seinen Profis später das „Horrorvideo“ der ersten Halbzeit.
Franz Beckenbauer fordert den „großen Schnitt“. Hitzfeld kündigt an: „Sechs, sieben neue Spieler werden kommen, vielleicht acht.“ Und sie kommen: Franck Ribéry, Luca Toni, Miro Klose & Co. The Emp-Bayer strikes back! Die Niederlage gegen den VfB wird zur Geburtshilfe für den modernen FC Bayern, wie man ihn bis heute kennt.

19. Dezember 2010: Wilde Weihnachten, Akt I
Bruno Labbadia erlebt in der Mercedes-Benz Arena sein erstes Bundesligaspiel als VfB-Trainer – und Schwabe Mario Gómez verpasst ihm fünf Tage vor Heiligabend eine „schöne“ Bescherung. Der Ex-Stuttgarter trifft dreimal, jubelt aus Respekt vor den alten Fans aber nur gebremst. Zur Pause führt Bayern 3:0, nach 54 Minuten sogar 5:1. Eigentlich alles erledigt.
Aber Harnik und Gentner machen daraus noch ein 3:5. Franz Beckenbauer bringt das Chaos unnachahmlich auf den Punkt: „Es hätte auch 8:10 ausgehen können.“ Das Beste: Drei Tage später treffen sich beide Teams an selber Stelle schon wieder.

22. Dezember 2010: Wilde Weihnachten, Akt II
75 Stunden nach dem 5:3 steigt in Stuttgart die nächste Show – diesmal im Pokal. Das große Geschenkeverteilen geht weiter, niemand hat Lust auf Verteidigen. Bayern führt nach acht Minuten 2:0. Stuttgart gleicht noch vor der Pause aus, am Ende gewinnt der FCB 6:3. Macht zusammen mit dem Sonntagsspiel unglaubliche 17 Tore in drei Tagen!
Auch sonst fehlt nichts: zwei VfB-Platzverweise, ein von Jörg Butt gehaltener Elfmeter und als Krönung ein Kopfballtor von Franck Ribéry. Weihnachten 2010 ist nichts für Fans der gepflegten Defensive. Und der VfB ist froh, dass er „zwischen den Jahren“ nicht nochmal gegen Louis van Gaals Bayern spielen muss.

1. Juni 2013: Das (vorerst) letzte „Jupp, Jupp, Jupp“
Eine Woche nach Arjen und Wembley fehlt dem FC Bayern nur noch der Pokal gegen den VfB zum ersten Triple. Thomas Müller trifft im Finale per Elfmeter, dann schlägt ausgerechnet der Ex-Stuttgarter Mario Gómez zweimal zu – in seinem letzten Bayern-Spiel. Bei 3:0 ist die Party praktisch gebucht. Dann trifft Martin Harnik doppelt, plötzlich zittern die Roten.
Doch Bayern rettet das 3:2. Jupp Heynckes gewinnt mit 68 erstmals den DFB-Pokal und verabschiedet sich als Triple-Trainer (vorerst). Danach geht er allein über den Berliner Rasen – fast wie Franz Beckenbauer 1990 in Rom. Und Manuel Neuer feiert mit Franck-Ribéry-Maske. An diesem Abend ist der FC Bayern der glücklichste Fußballverein der Welt – mit Abstand. Ein paar Wochen später übernimmt Pep. The Rest is History.

23. Mai 2026: Kane! Kane! Kane!
40 Jahre nach Roland Wohlfarth schreibt wieder ein Bayern-Stürmer im Pokalfinale gegen Stuttgart eine Dreier-Geschichte. Harry Kane hat in Halbzeit eins keinen einzigen Abschluss – und erzielt danach binnen 37 Minuten seine Saisontore 59, 60 und 61: Flugkopfball, Drehschuss, Handelfmeter. Der erste lupenreine Hattrick in einem DFB-Pokalfinale überhaupt.
Bayern holt das Double, Vincent Kompany schwärmt: „Harry hat die Persönlichkeit für diese großen Spiele.“ Besonders schön: Leon Goretzka hatte sich zum Abschied von Kane „das Ding“ versprechen lassen. Harry hält Wort, Leon belohnt ihn mit Schampus aus dem Pokal. Das Südderby kann eben auch Hollywood. Fortsetzung folgt – wir sehen uns am Freitagabend!
Über den Autor: Unser Kolumnist, der „Balkonpoet“, war schon vor der WM 1974 als kleiner Münchner Bub überzeugt: „Der FC Bayern wird Weltmeister – weil da Franz Beckenbauer und Gerd Müller mitspielen.“
Gut, den Unterschied zwischen Vereinsfußball und Nationalelf musste er noch lernen. Aber an seiner Grundüberzeugung hat sich nichts geändert: Ein Spiel dauert 90 Minuten, und am Ende gewinnt der FC Bayern. Zumindest meistens.
In den Säbener Stories verbindet er jahrzehntelange Bayern-Leidenschaft mit einem amüsanten und unterhaltsamen Blick auf die Mannschaft von heute. Pack ma’s, Vincent!
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