Er konnte es links und er konnte es rechts: Andi Brehme, unser Top-Neuzugang 1986.
© Imago

Säbener Stories

Jubiläen: Die Bayern-Neuzugänge 1966 bis 2016

Säbener Stories – das ist die Kolumne für alle, die den FC Bayern München leben und lieben. Hier geht es um die ruhmreiche Vergangenheit und die spannende Gegenwart des Rekordmeisters.

Bevor der Vorhang für die Saison 2026/27 aufgeht, werfen wir den Blick zurück: In Zehnjahresschritten schauen wir auf die Jubiläums-Neuzugänge von 1966 bis 2016.

Von Katsche Schwarzenbeck bis Klaus Augenthaler, von Carsten Jancker bis zum doppelten Mats Hummels: Diese Zeitreise bietet Weltstars, Rekordeinkäufe, Schicksale und vergessene „Wundertüten“. Hier kommen die Vorgänger unserer diesjährigen Top-Verstärkungen Nene Brown und Ismael Saibari.

1966: Der Bulle, der Katsche und ein tragischer Unfall

Nach dem überragenden dritten Platz in der Bundesliga-Premierensaison 1965/66 halten sich die Bayern auf dem Transfermarkt zurück. Zwei spätere Legenden reichen aus, um Tschik Čajkovskis Himmelsstürmer noch besser zu machen: Franz „Bulle“ Roth (20) kommt von der SpVgg Kaufbeuren, Hans-Georg „Katsche“ Schwarzenbeck (18) rückt aus der eigenen Jugend auf.

Normalerweise fühlte er den Bayern-Gegnern auf den Zahn – hier erledigt es Schwester Hildegard nach der Mandel-OP von Bulle Roth.
Normalerweise fühlte er den Bayern-Gegnern auf den Zahn – hier erledigt es Schwester Hildegard nach der Mandel-OP von Bulle Roth. | © Imago

Roth bringt die Physis seines elterlichen Bauernhofs im Allgäu mit. Trainer Čajkovski staunt: „Da ist einer, der hat Kraft wie Muh!“ Sepp Maier korrigiert trocken: „Bei uns heißt das Tier Bulle und nicht Muh.“ Der legendäre Spitzname steht.

Roths Härte spüren selbst die eigenen Mitspieler. Uli Hoeneß gesteht später in den 70ern: „Wenn der Franz sauer auf mich war, fegte er mich auf die Aschenbahn. Ich habe mir im Training vorsichtshalber Schienbeinschützer angezogen.“ Die Härte zahlt sich aus: Im Europapokal-Finale der Pokalsieger 1967 schießt der Jung-Bulle die Bayern gegen Glasgow Rangers zum 1:0-Triumph.

Der junge Schwarzenbeck – als aus dem Hans-Georg der Katsche wurde.
Der junge Schwarzenbeck – als aus dem Hans-Georg der Katsche wurde. | © Imago

Ebenfalls im Sommer 1966 betritt Hans-Georg Schwarzenbeck die Kabine: „Ich bin der Hans.“ Sepp Maier winkt ab, da es im Team vor „Hänsen“ wimmelt: „Du bist ned der Hans, Du bist der Katsche.“ Als kompromissloser Vorstopper wird Katsche zu Franz Beckenbauers Bodyguard – und 1974 mit seinem Last-Minute-Verzweiflungsschuss gegen Atlético Madrid zum Helden von Brüssel.

Der Sommer 1966 bringt allerdings auch ein bitteres Drama: Neuzugang Rudolf Schmidt (25) vom Meidericher SV verunglückt noch vor dem ersten Pflichtspiel bei einem Autounfall im Trainingslager am Ammersee tödlich.

1976: Der Null-Mark-Sommer, (k)eine Licht-Gestalt und der verhinderte Bomber

Auch zehn Jahre später investiert der dreifache Europapokalsieger der Landesmeister keine nennenswerten Ablösesummen. Manager Robert Schwan wird wegen leerer Kassen zum Sparfuchs. Junge Talente rücken nach, darunter der kernige Niederbayer Klaus Augenthaler von den Bayern-Amateuren. Der 18-jährige „Auge“ parkt seinen gebrauchten NSU Prinz brav neben den Nobelkarossen von Franz Beckenbauer und Gerd Müller. Einen Berater hat er nicht: „Man hat unterschrieben, was auf dem Tisch lag. Man war einfach stolz, für diesen Verein zu spielen.“

Vom Niederbayern zum Leader-Bayern: Klaus Augenthaler schaut noch etwas skeptisch in seine Zukunft. Aber das ändert sich bald!
Vom Niederbayern zum Leader-Bayern: Klaus Augenthaler schaut noch etwas skeptisch in seine Zukunft. Aber das ändert sich bald! | © Imago

Ihre kurioseste Episode erlebt die 76er-Garde am 8. Januar 1977 im Pokal-Achtelfinale. Vor kargen 6.500 Zuschauern im eisigen Olympiastadion kommt es zum Duell der Profis gegen die eigenen Amateure. Weil Sepp Maier ausnahmsweise verletzt fehlt, steht Neuzugang Hubertus Licht im Profi-Tor. Zwar siegen die Arrivierten nach 0:1-Rückstand dank vier Toren von Gerd Müller mit 5:3.

Doch der Kicker titelt spöttisch: „Ohne Licht eine Blamage.“ Sepp Maiers Ersatzmann hält nämlich den Sieg der Profis fest. Trotz Top-Leistung in seinem einzigen Bayern-Pflichtspiel wird der Torhüter langfristig nicht zur Licht-Gestalt, der Schatten vom „Moare“ ist einfach zu groß. Noch ein bisserl Namedropping: Bei Bayern II glänzt an diesem Abend ein gewisser Klaus Augenthaler, der als Jung-Profi bei den „Amas“ aushilft. Und Hubertus Licht hat später beim SV Ottering in Niederbayern einen Ober-Bayern als Mannschaftskameraden, nämlich den heutigen Präsidenten Herbert Hainer.

Wer findet den jungen Augenthaler? Tipp: In der ersten Reihe wird's spannend.
Wer findet den jungen Augenthaler? Tipp: In der ersten Reihe wird's spannend. | © Imago

Große Hoffnungen weckt 1976 Eduard Kirschner, der in der Bayernliga für Passau gewaltige 32 Tore in 29 Spielen geknipst hat. Er gilt als niederbayerisches Tor-Ungeheuer. Beim FC Bayern gelingt dem Edi nur ein Treffer. Aber dann wird er doch noch Nachfolger von Bomber Gerd Müller – 1982 in Fort Lauderdale.

1986: Der Rekord-Brehme, Nothelfer Uli und die FCN-Revolte

1986 langt Uli Hoeneß tief in die Schatulle: Er holt Andreas Brehme vom 1. FC Kaiserslautern. Restlos glücklich wird der Weltmeister in spe in München nicht: „Ich habe beim FC Bayern nicht so gut gespielt, wie ich mir das gewünscht hätte.“ Der Ergebnisfußball unter Udo Lattek und Jupp Heynckes liegt Andi weniger als später das Offensivspektakel in Italien. Eine Top-Verstärkung ist er trotzdem.

Hörner abgestoßen: 1986 wird aus dem roten Teufel Andi Brehme ein Bayer.
Hörner abgestoßen: 1986 wird aus dem roten Teufel Andi Brehme ein Bayer. | © Imago

Bewegend verläuft die Geschichte des dänischen Stürmertalents und 86er-Neuzugangs Lars Lunde. Während einer Leihe nach Aarau erleidet er im April 1988 bei einem schweren Autounfall ein Schädel-Hirn-Trauma und liegt zwölf Tage im Koma. Danach nimmt ihn Uli Hoeneß für drei Wochen bei sich zu Hause in Ottobrunn auf. Lunde, der seine Karriere beenden muss, hat es dem Manager nie vergessen: „Ich werde Uli ewig dankbar sein.“

Sind Dänen auch schon Wikinger? Lars Lunde als früher Erling Haaland – ohne Rudern.
Sind Dänen auch schon Wikinger? Lars Lunde als früher Erling Haaland – ohne Rudern. | © Imago

Ebenfalls 1986 neu: Jung-Regisseur Hans Dorfner, der nach einer Leihe vom 1. FC Nürnberg zurückkehrt, wo er 1984 die „Oktober-Revolution“ gegen Trainer Heinz Höher miterlebt hat. Und als Vertretung für den verletzten Raimond Aumann heuert auf Empfehlung von Jean-Marie Pfaff der spätere Outdoor-Möbel-Unternehmer Robert „Bobby“ Dekeyser im Tor an.

1996: Das gschlamperte Genie, der Mailbox-Kaiser und der ewige Dreher

Zehn Jahre später verpflichtet der frischgebackene UEFA-Cup-Sieger das Bremer Freistoß-Genie Mario Basler. Für den Sturm sichert man sich Carsten Jancker von Rapid Wien. Franz Beckenbauer hinterlässt persönlich eine Nachricht auf dessen Anrufbeantworter: „Hier spricht der Franz Beckenbauer, bitte um Rückruf.“ Jancker hält den Kaiser erst für einen Stimmenimitator, ehe er ehrfürchtig zurückruft. Der 1,93-Meter-Hüne steigt mit 79 Toren in 225 Spielen als „Fußballgott“ in den Säbener-Olymp auf.

Sparte bei der Frisur, aber nicht bei den Toren: "Fußballgott" Carsten Jancker.
Sparte bei der Frisur, aber nicht bei den Toren: "Fußballgott" Carsten Jancker. | © Imago

Als erster hochkarätiger Italien-Profi wechselt Ruggiero Rizzitelli vom FC Turin nach München in die Bundesliga. Er ist quasi die Vorhut von Luca Toni. Zwar trifft „Rizzi“ gleich beim Debüt auf St. Pauli. Er verliert seinen Stammplatz aber bald an den unerbittlichen Jancker mit der zurückhaltenden Frisur.

Il Biondo und unser neuer Italien-Knipser: Ruggiero Rizzitelli jubelt mit Jürgen Klinsmann.
Il Biondo und unser neuer Italien-Knipser: Ruggiero Rizzitelli jubelt mit Jürgen Klinsmann. | © Imago

Als Olli-Kahn-Stellvertreter heuert Uli Hoeneß Bernd Dreher aus Uerdingen an. Obwohl Dreher in sieben Jahren nur 15-mal im Profi-Tor steht, wird er als langjähriger Torwarttrainer zu einer Seele des Vereins.

2006: Der Aggressive Leader, der Catcher-Sohn und Poldis Lehrjahre

Im Sommer 2006 holt der FCB Mark van Bommel vom FC Barcelona. Ottmar Hitzfeld verpasst dem Niederländer das Prädikat „Aggressive Leader“. Van Bommel füllt die Rolle mit Bravour aus und steigt zum ersten ausländischen Kapitän der Bayern-Geschichte auf.

Für die Abwehr kommt 1,97-Meter-Lulatsch Daniel van Buyten vom HSV. Als Sohn des Profi-Catchers Franz van Buyten hat der Belgier die Robustheit des Rings im Blut. Unvergessen bleibt sein Last-Minute-Kopfballtor gegen Frankfurt 2009 – bei dem sich der Stürmerschreck als Offensivgigant neu erfindet.

Sommermärchen, Teil 2: Basti Schweinsteiger und Lukas Podolski als Bayern-Boyband.
Sommermärchen, Teil 2: Basti Schweinsteiger und Lukas Podolski als Bayern-Boyband. | © Imago

Poldi und Schweini – das war Deutschlands Boyband beim WM-Sommermärchen 2006. Danach soll die Party beim FC Bayern weitergehen. Lukas Podolski kommt aus Köln. Er holt zwar Titel, schießt bis 2009 26 Bayern-Tore, gibt aber später zu: „Vielleicht kam der Wechsel mit 21 ein bisschen zu früh.“

Ganz nebenbei rückt ein gewisser Mats Hummels im Alter von 17 Jahren aus der zweiten Mannschaft auf. Bei seinem Debüt am letzten Spieltag gegen Jürgen Klopps Mainzer spielt er seine ersten 38 Minuten für die Profis. Zehn Jahre später sollten es deutlich mehr werden.

Hummels, der I.: Olli Kahn weiß, dass da ein Top-Talent aus der Jugend hochkommt.
Hummels, der I.: Olli Kahn weiß, dass da ein Top-Talent aus der Jugend hochkommt. | © Imago

2016: Die Ovationen in Lissabon

Genau zehn Jahre nach seinem 38-Minuten-Debüt kehrt Mats Hummels im Sommer 2016 als gestandener Weltmeister vom BVB in die Heimat zurück. Er will endlich Clubtitel gewinnen, und das klappt prächtig.

Die Bayern holen auch das portugiesische Supertalent Renato Sanches von Benfica Lissabon. Er kämpft mit Anpassungsproblemen, erlebt 2018 in seiner Heimatstadt gegen Benfica aber eine Sternstunde: Im Trikot der Bayern erzielt Renato bei seinem Ex-Club das 2:0. Sogar die portugiesischen Fans im Estádio da Luz erheben sich für stehende Ovationen. Karl-Heinz Rummenigge lobt beim Bankett: „Du hast die Chance bravourös genutzt.“

Renato Sanches: Schwierige Bayern-Karriere – aber ein unvergessenes Highlight in Lissabon.
Renato Sanches: Schwierige Bayern-Karriere – aber ein unvergessenes Highlight in Lissabon. | © Imago

Ob 1966 oder 2016 – die Sommer-Transfers an der Säbener Straße erzählen Geschichten, die man nicht besser erfinden kann. Und die Show geht Jahr für Jahr weiter!

Über den Autor: Unser Kolumnist, der „Balkonpoet“, war schon vor der WM 1974 als kleiner Münchner Bub überzeugt: „Der FC Bayern wird Weltmeister – weil da Franz Beckenbauer und Gerd Müller mitspielen.“

Gut, den Unterschied zwischen Vereinsfußball und Nationalelf musste er noch lernen. Aber an seiner Grundüberzeugung hat sich nichts geändert: Ein Spiel dauert 90 Minuten, und am Ende gewinnt der FC Bayern. Zumindest meistens.

In den Säbener Stories verbindet er jahrzehntelange Bayern-Leidenschaft mit einem amüsanten und unterhaltsamen Blick auf die Mannschaft von heute. Pack ma’s, Vincent!

Logo FC Bayern München

Diesen Artikel teilen

Weitere news